Paraphrasieren: Bedeutung, Definition und Beispiele aus Schule und Studium
Paraphrasieren heißt, eine Textstelle sinngemäß mit eigenen Worten und eigenem Satzbau wiederzugeben, ohne den Inhalt zu verändern. Die Paraphrase ist etwa so lang wie das Original, anders als die Zusammenfassung. Im Studium bleibt die Quelle angabepflichtig: Wer fremde Gedanken sinngemäß übernimmt, belegt sie, meist mit „vgl.“ oder in APA 7 mit Autor und Jahr.
Die kurze Antwort: Was bedeutet paraphrasieren?
Paraphrasieren bedeutet, den Inhalt einer Textstelle mit eigenen Worten und eigenem Satzbau wiederzugeben, sodass der Sinn gleich bleibt. Das Wort kommt aus dem Griechischen („Umschreibung“). Eine Paraphrase ist ungefähr so lang wie die Vorlage und bleibt inhaltlich bei ihr. Sie ist weder ein wörtliches Zitat noch eine verkürzte Zusammenfassung.
Zwei Dinge sollten Sie sich merken:
- Es geht um den Gedanken, nicht um einzelne Wörter. Wer nur Wörter austauscht, hat noch nicht paraphrasiert.
- In wissenschaftlichen Texten braucht eine Paraphrase einen Beleg. Die Formulierung gehört Ihnen, der Gedanke nicht.
Paraphrase in der Schule und im Studium: zwei Bedeutungen
Das Wort begegnet Ihnen in zwei Zusammenhängen, und das sorgt häufig für Verwirrung.
Im Deutschunterricht ist die Paraphrase eine Aufgabe aus der Textarbeit: Sie geben einen schwierigen Text, etwa ein Gedicht oder eine Passage in älterer Sprache, in heutigem Deutsch wieder. Wer Schillers „Die Bürgschaft“ paraphrasiert, übersetzt Verse in gewöhnliche Alltagssprache, Satz für Satz, ohne zu deuten. Die Deutung folgt erst danach, in der Interpretation. Vom Aufbau her ähnelt die Paraphrase hier der Inhaltsangabe, bleibt aber näher am Wortlaut und am Ablauf.
In der Wissenschaft ist die Paraphrase eine Zitierform: die sinngemäße Wiedergabe einer fremden Aussage. Sie steht neben dem wörtlichen Zitat und ist in den meisten Fächern die häufigere Form. Hier kommt es auf eigenen Satzbau und auf die Quellenangabe an.
Dieser Ratgeber behandelt vor allem den wissenschaftlichen Gebrauch, ergänzt aber das Schulverständnis, damit beides zusammenpasst.
Paraphrase, Zitat, Zusammenfassung und Inhaltsangabe im Vergleich
Die vier Begriffe werden oft vermischt. Diese Tabelle trennt sie:
| Form | Was passiert mit dem Text? | Länge im Vergleich zum Original | Anführungszeichen | Beleg nötig |
|---|---|---|---|---|
| Wörtliches Zitat | Wird unverändert übernommen | gleich | ja | ja, mit Seitenzahl |
| Paraphrase | Wird mit eigenen Worten und eigenem Satzbau wiedergegeben | etwa gleich | nein | ja |
| Zusammenfassung | Wird auf die Kernaussagen verdichtet | deutlich kürzer | nein | ja, wenn fremder Gedanke |
| Inhaltsangabe (Schule) | Gibt Handlung und Ablauf in eigenen Worten im Präsens wieder | kürzer | nein | Textstelle angeben, wenn wörtlich |
Mehr zum Verdichten lesen Sie im Ratgeber Zusammenfassung schreiben. Die Faustregel: Die Paraphrase behält den Umfang und ändert die Form, die Zusammenfassung ändert den Umfang.
Beispiele: Vorher und nachher
Alle Texte hier sind frei erfunden. Sie sollen zeigen, was sich beim Paraphrasieren ändert.
Beispiel 1: Zeitungsmeldung
Original: „Der Stadtrat hat am Dienstagabend mit knapper Mehrheit beschlossen, die Bibliothek im Stadtteil Nord trotz der angespannten Haushaltslage nicht zu schließen.“
Paraphrase: „Trotz knapper Kassen bleibt die Bibliothek im Stadtteil Nord erhalten; für diese Entscheidung stimmte am Dienstagabend eine knappe Mehrheit im Stadtrat.“
Was sich geändert hat: Die Reihenfolge der Informationen ist eine andere (zuerst der Grund, dann das Ergebnis), das Verb „beschließen, nicht zu schließen“ wurde durch „bleibt erhalten“ ersetzt, Ort, Zeit und Abstimmungsergebnis sind unverändert. Genau diese Fakten dürfen sich nie ändern.
Beispiel 2: Fachtext aus der Hausarbeit
Original: „Die Durchführung der Befragung erfolgte im Zeitraum von März bis Mai durch geschulte Interviewerinnen und Interviewer.“
Paraphrase: „Geschulte Interviewerinnen und Interviewer führten die Befragung zwischen März und Mai durch.“
Hier wurde der Nominalstil („Die Durchführung … erfolgte“) in einen Verbalsatz aufgelöst. Das ist eine der wirkungsvollsten Änderungen im Deutschen, weil sie den Satzbau tatsächlich verändert und den Text lesbarer macht. In der Arbeit folgt der Beleg, zum Beispiel (Mustermann, 2021, S. 35) in APA 7 oder eine Fußnote mit „Vgl. Mustermann 2021, S. 35.“
Beispiel 3: Aktiv und Passiv
Original: „Die Forscherinnen untersuchten 120 Schulklassen.“
Paraphrase: „Insgesamt wurden 120 Schulklassen untersucht.“
Der Wechsel zwischen Aktiv und Passiv verändert den Satzbau. Er reicht allein aber nicht aus, wenn Wortwahl und Reihenfolge sonst gleich bleiben. Wie das Passiv gebildet wird, erklärt der Ratgeber Aktiv und Passiv.
Beispiel 4: Zu nah am Original
Original: „Soziale Medien verändern die Art, wie Jugendliche Informationen suchen und bewerten.“
Zu nah: „Soziale Netzwerke verändern die Weise, wie junge Menschen Informationen suchen und beurteilen.“
Hier wurden nur Wörter ersetzt, der Satz hat dasselbe Gerüst. Prüfprogramme und Lehrende erkennen so etwas oft sofort. Besser: „Wenn Jugendliche etwas herausfinden wollen, greifen sie heute vor allem zu sozialen Medien und prägen dort zugleich ihr Urteil darüber, was verlässlich ist.“ Achtung: Das ist eine freiere Wiedergabe und muss weiterhin zur Aussage der Quelle passen, ohne sie zu verschärfen.
Beispiel 5: Schulaufgabe Paraphrase eines Gedichtverses
Original: „Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn.“ (Goethe, „Gefunden“)
Paraphrase: „Ich spazierte allein durch den Wald, ohne etwas Bestimmtes zu suchen.“
Das ist die Paraphrase im Sinne des Deutschunterrichts: Der Inhalt in schlichter Alltagssprache, ohne Deutung. Dass das Gedicht später eine Blume als Symbol aufgreift, gehört in die Interpretation, nicht in die Paraphrase.
Wann muss ich eine Paraphrase belegen?
Immer, wenn der Gedanke, die Daten oder die Argumentation aus einer fremden Quelle stammen. Das gilt auch dann, wenn kein einziges Originalwort übrig ist. Nicht belegen müssen Sie Allgemeinwissen, etwa dass Berlin die Hauptstadt Deutschlands ist, und Ihre eigenen Gedanken.
So sieht der Beleg in den gängigen Systemen aus:
- APA 7 (Kurzbeleg im Text): (Mustermann, 2021, S. 35). Bei einer Paraphrase ist die Seitenzahl nach APA 7 empfohlen, aber nicht in jedem Fall verpflichtend. Folgen Sie der Vorgabe Ihres Lehrstuhls.
- Fußnotenstil (geisteswissenschaftlich): Fußnote mit „Vgl. Mustermann 2021, S. 35.“ Das „Vgl.“ zeigt, dass es keine wörtliche Übernahme ist.
- Deutsche Zitierweise (Autor-Jahr): (Mustermann 2021: 35), je nach Fach mit Doppelpunkt statt Komma.
Welche Variante gilt, entscheiden Fach, Lehrstuhl und Prüfungsordnung. Der Zitiergenerator von AdeptWrite erzeugt Literaturangaben in mehreren Stilen als Entwurf; prüfen Sie das Ergebnis immer gegen Ihren Leitfaden.
Paraphrasieren in vier Schritten
- Verstehen: Lesen Sie die Stelle, bis Sie die Aussage in einem Satz erklären können.
- Weglegen: Schreiben Sie aus dem Gedächtnis, nicht mit dem Original vor Augen.
- Vergleichen: Prüfen Sie, ob Sinn, Zahlen, Namen und Fachbegriffe stimmen und ob der Satzbau wirklich ein anderer ist.
- Belegen: Setzen Sie die Quellenangabe direkt hinter die Stelle.
Eine ausführliche Anleitung mit Übung und Lösung finden Sie im Ratgeber Text umformulieren ohne Plagiat.
Was beim Paraphrasieren stehen bleibt
Nicht alles lässt sich ersetzen, und das soll es auch nicht:
- Fachbegriffe: „Kognitive Dissonanz“ bleibt „kognitive Dissonanz“, auch wenn es sperrig wirkt.
- Namen, Zahlen, Jahreszahlen, Gesetzesbezeichnungen: Hier zählt Genauigkeit.
- Der Sinn: Eine Aussage wie „häufig“ darf nicht zu „immer“ werden und „kann“ nicht zu „ist“.
Häufige Fehler
- Nur Synonyme austauschen: Das Satzgerüst bleibt erkennbar. Nutzen Sie Synonyme finden nur als Anregung und prüfen Sie jedes Wort im Wörterbuch.
- Den Beleg vergessen: Eigene Worte machen einen fremden Gedanken nicht zu Ihrem.
- Sinn verschieben: Beim Umformulieren werden Einschränkungen leicht weggelassen („in manchen Fällen“, „vermutlich“).
- Zu viel am Stück: Mehrere Seiten, die nur eine Quelle wiedergeben, sind kaum eigene Leistung. Vergleichen, gewichten und kommentieren Sie.
- Paraphrase und Zitat mischen: Übernommene Wendungen gehören in Anführungszeichen.
Paraphrasieren mit AdeptWrite
Der Umformulierer von AdeptWrite bietet sieben Modi: Standard, Formell, Locker, Akademisch, Kreativ, Kürzen und Erweitern. Pro Durchgang verarbeitet er bis zu 6.000 Zeichen. Er arbeitet mit einer KI und liefert einen Entwurf. Das heißt konkret:
- Sie müssen prüfen, ob Sinn, Zahlen und Fachbegriffe erhalten sind.
- Das Werkzeug kennt Ihre Quelle nicht und setzt keinen Beleg.
- Es ersetzt nicht das Verstehen. Wer den Text nicht begriffen hat, erkennt auch Sinnverschiebungen nicht.
Für wissenschaftliche Texte passt der Modus Akademisch am besten, für Mails der Modus Formell. Mit der Plagiatsprüfung können Sie danach vergleichen, ob Stellen offenen Online-Quellen noch zu nahe stehen. Sie prüft keine geschützten Datenbanken; ein unauffälliges Ergebnis ist deshalb kein Beweis für Eigenständigkeit. Mehr dazu unter Plagiat prüfen kostenlos.
Beachten Sie zudem die Regeln Ihrer Hochschule zu KI-Hilfsmitteln. Manche verlangen eine Kennzeichnung oder eine Erklärung im Anhang.
Paraphrase und Plagiat: wo die Grenze liegt
Eine Paraphrase wird zum Plagiat, wenn der Beleg fehlt oder wenn sie nur eine Tarnung des Originals ist. Das zweite nennt man in der Hochschulpraxis oft Verschleierung: Wörter werden getauscht, Aufbau und Gedankengang bleiben identisch. Ob eine Stelle noch als eigenständige Paraphrase gilt, entscheiden am Ende Lehrende und Prüfungsausschüsse, nicht ein Prozentwert. Eine feste Zahl, ab der etwas als Plagiat zählt, gibt es nicht. Mehr zu den Formen lesen Sie im Ratgeber Plagiat: Definition und Arten.
Hilfreich ist ein einfacher Test: Könnten Sie Ihrer Betreuerin den Gedanken erklären, ohne auf die Quelle zu schauen? Wenn ja, haben Sie ihn verstanden und können ihn eigenständig darstellen. Wenn nein, ist die Gefahr groß, dass Ihre Formulierung dem Original zu nahe kommt.
Paraphrasieren im Beruf
Auch außerhalb der Hochschule wird ständig paraphrasiert: Sie fassen eine Kundenmail für das Team in eigenen Worten zusammen, geben ein Meeting-Ergebnis weiter oder formulieren eine Pressemitteilung für einen Newsletter um. Belegpflichten wie im Studium gibt es dort meist nicht, wohl aber das Urheberrecht: Texte anderer Websites oder Zeitschriften dürfen Sie nicht leicht verändert übernehmen. Schreiben Sie in eigener Struktur und nennen Sie die Quelle, wo es üblich ist.
Checkliste
- Ich kann den Gedanken ohne Vorlage erklären.
- Satzbau und Reihenfolge unterscheiden sich vom Original.
- Fachbegriffe, Zahlen und Namen stimmen.
- Der Sinn ist weder abgeschwächt noch verstärkt.
- Der Beleg steht direkt hinter der Stelle.
- Wörtliche Wendungen stehen in Anführungszeichen mit Seitenzahl.
- Die Quelle steht im Literaturverzeichnis.
Wer das Paraphrasieren beherrscht, schreibt nicht nur sicherer gegen Plagiatsvorwürfe, sondern versteht seine Quellen besser. Und genau darum geht es beim wissenschaftlichen Arbeiten.
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Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet paraphrasieren einfach erklärt?
Paraphrasieren heißt, einen Text sinngemäß mit eigenen Worten und eigenem Satzbau wiederzugeben, ohne den Inhalt zu verändern. Die Wiedergabe ist etwa so lang wie das Original. In wissenschaftlichen Arbeiten müssen Sie die Quelle trotzdem nennen.
Was ist der Unterschied zwischen Paraphrase und Zusammenfassung?
Eine Paraphrase gibt eine Stelle in ungefähr gleicher Länge mit eigenen Worten wieder. Eine Zusammenfassung verdichtet den Text auf die Kernaussagen und ist deutlich kürzer. Beide übernehmen fremde Gedanken und brauchen deshalb einen Beleg.
Muss ich bei einer Paraphrase die Quelle angeben?
Ja. Der Gedanke bleibt fremd, auch wenn die Worte neu sind. Im Text genügt ein Kurzbeleg wie (Mustermann, 2021, S. 35) oder eine Fußnote mit „Vgl.“. Alle Quellen stehen zusätzlich im Literaturverzeichnis.
Was heißt Paraphrase im Deutschunterricht?
Dort ist die Paraphrase die Wiedergabe eines schwierigen Textes, etwa eines Gedichts, in schlichter heutiger Sprache. Sie bleibt nah am Ablauf des Textes und deutet nicht. Die Deutung gehört in die anschließende Interpretation.
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