Aktiv und Passiv im Deutschen: Bildung, Regeln und Übungen
Im Aktiv handelt das Subjekt („Die Firma baut das Haus“), im Passiv steht das Geschehen im Vordergrund („Das Haus wird gebaut“). Das Vorgangspassiv bilden Sie mit werden und Partizip II, das Zustandspassiv mit sein und Partizip II. Diese Seite zeigt alle Zeiten, Sonderfälle wie „Es wird getanzt“, den Einsatz im Fachtext und eine Übung mit Lösung.
Die kurze Antwort: Was ist der Unterschied zwischen Aktiv und Passiv?
Im Aktiv steht der Handelnde im Mittelpunkt: „Die Mitarbeiterin schreibt den Bericht.“ Im Passiv steht das Geschehen oder das Ergebnis im Mittelpunkt: „Der Bericht wird geschrieben.“ Das Deutsche kennt zwei Formen:
- Vorgangspassiv (werden-Passiv): werden + Partizip II. Es beschreibt einen Vorgang: „Das Fenster wird geöffnet.“
- Zustandspassiv (sein-Passiv): sein + Partizip II. Es beschreibt das Ergebnis: „Das Fenster ist geöffnet.“
Der Handelnde kann im Passiv mit von (Person oder Institution) oder durch (Mittel, Ursache) angeschlossen werden, muss aber nicht genannt werden: „Der Bericht wird von der Mitarbeiterin geschrieben“, „Die Straße wurde durch das Hochwasser gesperrt“. Diese Seite zeigt Bildung, Zeiten, Sonderformen und Einsatz. Die Wortart-Grundlagen finden Sie im Ratgeber Wortarten im Deutschen.
Aktiv und Passiv im direkten Vergleich
Beim Umformen vom Aktiv ins Passiv ändern sich drei Dinge:
- Das Akkusativobjekt des Aktivsatzes wird zum Subjekt des Passivsatzes (Nominativ).
- Das Subjekt des Aktivsatzes entfällt oder wird als Angabe mit „von“ oder „durch“ angeschlossen.
- Das Verb erhält die Form von „werden“ + Partizip II.
| Aktiv | Passiv |
|---|---|
| Die Stadt baut eine neue Brücke. | Eine neue Brücke wird (von der Stadt) gebaut. |
| Der Dozent korrigiert die Klausuren. | Die Klausuren werden (vom Dozenten) korrigiert. |
| Man liefert die Ware am Freitag. | Die Ware wird am Freitag geliefert. |
Das Pronomen „man“ verschwindet im Passiv ganz. Es ist ein Hinweis, dass der Handelnde unbekannt oder unwichtig ist, und genau das ist ein typischer Grund für das Passiv.
So bilden Sie das Vorgangspassiv in allen Zeiten
Das Hilfsverb „werden“ wird konjugiert, das Partizip II bleibt am Satzende. Im Perfekt und Plusquamperfekt lautet das Partizip von „werden“ im Passiv worden (nicht „geworden“).
| Zeit | Beispiel |
|---|---|
| Präsens | Der Antrag wird bearbeitet. |
| Präteritum | Der Antrag wurde bearbeitet. |
| Perfekt | Der Antrag ist bearbeitet worden. |
| Plusquamperfekt | Der Antrag war bearbeitet worden. |
| Futur I | Der Antrag wird bearbeitet werden. |
| Futur II | Der Antrag wird bearbeitet worden sein. |
Im Alltag und in den meisten Fachtexten reichen Präsens, Präteritum und Perfekt. Futur II im Passiv ist selten und wirkt schwerfällig. Statt „Der Antrag wird bearbeitet werden“ sagt man häufiger „Der Antrag wird bearbeitet“ plus einer Zeitangabe („nächste Woche“).
Mit Modalverben steht das Passiv im Infinitiv: „Der Antrag muss bis Freitag bearbeitet werden.“ Im Perfekt: „Der Antrag hat bearbeitet werden müssen.“
Das Zustandspassiv: sein + Partizip II
Das Zustandspassiv zeigt das Ergebnis eines abgeschlossenen Vorgangs. Es kommt nur bei Verben vor, die ein solches Ergebnis haben:
- Vorgang: „Das Geschäft wird um 18 Uhr geschlossen.“ (Das Schließen findet statt.)
- Zustand: „Das Geschäft ist seit 18 Uhr geschlossen.“ (Das Ergebnis besteht.)
Eine einfache Probe: Passt „schon“ oder „seit“ dazu und lässt sich der Satz sinnvoll mit „bereits“ lesen, ist es meist ein Zustandspassiv. Im Präteritum: „Das Geschäft war geschlossen.“ Bei Verben ohne Ergebnis, etwa „schlafen“ oder „lachen“, ist kein Zustandspassiv möglich.
Achtung bei der Abgrenzung: „Das Haus ist gebaut“ meint, dass es fertig ist (Zustandspassiv). „Das Haus ist gebaut worden“ ist dagegen Perfekt Vorgangspassiv und beschreibt den Vorgang in der Vergangenheit. Der Unterschied liegt im Wort „worden“.
Subjektlose Passivsätze: „Es wird getanzt“
Das Deutsche kann ein Passiv ohne Subjekt bilden. Das passiert bei Verben ohne Akkusativobjekt, etwa bei intransitiven Verben:
- Aktiv: „Man tanzt auf dem Fest.“ → Passiv: „Auf dem Fest wird getanzt.“
- Aktiv: „Man hilft den Bewohnern.“ → Passiv: „Den Bewohnern wird geholfen.“ (Das Dativobjekt bleibt im Dativ.)
Am Satzanfang kann ein Platzhalter-es stehen („Es wird getanzt“). Es verschwindet, sobald ein anderes Satzglied vor dem Verb steht: „Heute Abend wird getanzt.“ Das „es“ ist kein Subjekt, deshalb steht das Verb nicht im Plural, auch wenn mehrere Personen betroffen sind: „Den Gästen wird geholfen“, nicht „werden geholfen“.
Der Dativ im Passiv ist ein typischer Lernstolperstein. Verben wie helfen, danken, folgen und gratulieren verlangen den Dativ und erzeugen deshalb nur das subjektlose Passiv: „Mir wurde geholfen.“ Nicht: „Ich wurde geholfen.“
Alternativen zum Passiv
Das Deutsche hat mehrere Konstruktionen, die wie ein Passiv wirken, aber im Aktiv stehen. Sie machen Texte oft lebendiger:
| Passiv | Aktive Alternative |
|---|---|
| Das Formular kann hier heruntergeladen werden. | Das Formular lässt sich hier herunterladen. |
| Der Vertrag ist zu unterschreiben. | Der Vertrag muss unterschrieben werden. / Bitte unterschreiben Sie den Vertrag. |
| Die Aufgabe ist lösbar. | Die Aufgabe lässt sich lösen. |
| Der Antrag wird bearbeitet. | Wir bearbeiten den Antrag. / Man bearbeitet den Antrag. |
| Das Buch wird gern gelesen. | Das Buch liest sich gut. |
Mit sich lassen + Infinitiv, sein + zu + Infinitiv, Adjektiven auf -bar und man-Sätzen erreichen Sie dasselbe, ohne Passivketten zu bauen.
Wann ist das Passiv sinnvoll?
Das Passiv ist kein Stilfehler. Es ist ein Werkzeug mit klaren Einsatzgebieten:
- Der Handelnde ist unbekannt oder unwichtig. „Mein Fahrrad wurde gestohlen.“
- Der Vorgang zählt, nicht die Person. Typisch für Anleitungen, Rezepte und Methodenkapitel: „Die Proben wurden bei 4 °C gelagert.“
- Neutralität und Sachlichkeit. In Gutachten, Berichten und wissenschaftlichen Texten vermeidet das Passiv das ständige „ich“.
- Satzperspektive. Wenn der Satz mit dem beginnen soll, was vorher schon bekannt ist: „Der Plan liegt vor. Er wird nächste Woche vorgestellt.“
- Vorsicht oder Höflichkeit. „Es wurde versäumt, die Frist einzuhalten“ klingt weniger anklagend als „Sie haben die Frist versäumt“.
Wissenschaftliches Schreiben an der Hochschule
In Haus- und Abschlussarbeiten ist das Passiv in Methodik und Ergebnisdarstellung verbreitet. Ob in einem Fach auch die Ich-Form („ich untersuche“) oder das Wir akzeptiert wird, unterscheidet sich von Fach zu Fach und von Lehrstuhl zu Lehrstuhl. Fragen Sie in der Betreuung oder im Leitfaden Ihres Instituts nach, und halten Sie sich an das, was dort steht. Wer die Aktivvariante nutzen darf, sollte sie dort wählen, wo der Handelnde wichtig ist: „Ich habe 24 Interviews geführt“ ist klarer als „Es wurden 24 Interviews geführt“, wenn erkennbar sein soll, wer die Arbeit geleistet hat.
Büro, Verwaltung und E-Mail
In Geschäftsmails wirkt zu viel Passiv unpersönlich und bürokratisch. „Ihr Antrag wurde geprüft und kann leider nicht genehmigt werden“ lässt sich persönlicher schreiben: „Wir haben Ihren Antrag geprüft und können ihn leider nicht genehmigen.“ Zu Form und Ton in Mails siehe die Ratgeber Geschäftliche E-Mail schreiben und Du oder Sie schreiben.
Passiv als Umformulier-Technik
Wer einen Satz umformulieren will, ohne den Sinn zu ändern, kann das Aktiv-Passiv-Umformen gezielt einsetzen. Es verändert Satzbau und Betonung, nicht den Inhalt:
- Original: „Die Bundesländer regeln die Schulpolitik.“
- Umformung: „Die Schulpolitik wird von den Bundesländern geregelt.“
Das ist nützlich für Abwechslung im Satzbau, für eine andere Betonung oder zum Beseitigen von Wiederholungen. Es ersetzt aber nicht das echte Umformulieren und schützt nicht vor einem Plagiat: Wer eine fremde Formulierung nur vom Aktiv ins Passiv dreht, übernimmt weiter Gedanken und Gliederung. Wie ein sauberes Paraphrasieren gelingt, steht im Ratgeber Text umformulieren ohne Plagiat.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
- Falsches Hilfsverb: „Das Haus ist gebaut“ (Zustand) statt „Das Haus wird gebaut“ (Vorgang), wenn der Bau noch läuft.
- Fehlendes „worden“: „Der Brief ist geschrieben“ ist Zustand. Gemeint ist oft „ist geschrieben worden“.
- Subjekt statt Dativ: „Ich wurde geholfen“ ist falsch, richtig ist „Mir wurde geholfen“.
- Passivketten: „Es muss davon ausgegangen werden, dass festgestellt werden kann, dass …“ Mehr als eine Passivform im Satz bremst das Lesen. Ersetzen Sie eine davon durch ein Aktiv.
- Unnötiges von-Agens: Wenn der Handelnde unwichtig ist, lassen Sie ihn weg.
- Nominalstil statt Verb: „Die Durchführung der Überprüfung der Unterlagen erfolgt“ liest sich schwerer als „Wir prüfen die Unterlagen“.
Checkliste: Passiv prüfen
- Ist der Handelnde unbekannt oder unwichtig? Dann ist das Passiv passend.
- Ist der Handelnde wichtig? Dann nennen Sie ihn im Aktiv.
- Habe ich Vorgang (werden) und Zustand (sein) nicht verwechselt?
- Steht im Perfekt „worden“, nicht „geworden“?
- Steht bei Verben mit Dativ der Dativ („Mir wurde geholfen“)?
- Habe ich höchstens eine Passivform pro Satz, wo es der Lesbarkeit hilft?
- Habe ich geprüft, ob eine Alternative wie „lässt sich“ oder „man“ besser klingt?
Übung: Aktiv und Passiv umformen
Formen Sie die Sätze um.
- Aktiv → Passiv: „Die Universität veröffentlicht die Ergebnisse im Dezember.“
- Aktiv → Passiv (Präteritum): „Der Hausmeister reparierte die Heizung.“
- Aktiv → Passiv (Perfekt): „Die Firma hat 40 Stellen gestrichen.“
- Aktiv → Passiv mit Modalverb: „Die Teilnehmenden müssen die Anmeldung bis Montag abgeben.“
- Passiv → Aktiv: „Die Tür wurde von einem Nachbarn aufgebrochen.“
- Subjektlos: „Man arbeitet am Wochenende nicht.“ → Passiv.
- Zustandspassiv: Wandeln Sie „Der Tisch wird gedeckt“ so um, dass das Ergebnis beschrieben wird.
Lösung
- Die Ergebnisse werden von der Universität im Dezember veröffentlicht. (Auch möglich: Die Ergebnisse werden im Dezember veröffentlicht.)
- Die Heizung wurde vom Hausmeister repariert.
- 40 Stellen sind (von der Firma) gestrichen worden.
- Die Anmeldung muss von den Teilnehmenden bis Montag abgegeben werden.
- Ein Nachbar hat die Tür aufgebrochen.
- Am Wochenende wird nicht gearbeitet.
- Der Tisch ist gedeckt.
Aktiv und Passiv mit AdeptWrite überarbeiten
Wenn Sie einen eigenen Text auf zu viel Passiv durchsehen möchten, helfen Werkzeuge beim Gegenlesen, nicht beim Urteilen. Mit Sätze verbessern lassen sich steife oder verschachtelte Sätze glätten, der Modus „Formell“ passt zu sachlichen Texten. Das Ergebnis ist ein Vorschlag, den Sie vergleichen und selbst bewerten sollten. Die Grammatikprüfung korrigiert Grammatik, Kommasetzung und Rechtschreibung per KI und markiert jede Änderung, sodass Sie falsche Hilfsverben oder fehlende Dativformen nachvollziehen können. Mit Text umformulieren erzeugen Sie Varianten eines Satzes in sieben Modi. Alle drei Werkzeuge verarbeiten pro Durchlauf bis zu 6.000 Zeichen, und keines erkennt zuverlässig, ob ein Passiv inhaltlich sinnvoll ist: Diese Entscheidung bleibt bei Ihnen.
Regeln und Beispiele zum Passiv finden Sie auch im Duden und im DWDS. Zur Rechtschreibung gelten die amtlichen Regeln des Rats für deutsche Rechtschreibung. Stand der Hinweise zu den Werkzeugen: 2026-11-01.
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Häufig gestellte Fragen
Wie bildet man das Passiv im Deutschen?
Das Vorgangspassiv bilden Sie mit einer Form von „werden“ und dem Partizip II: „Der Brief wird geschrieben.“ Das Zustandspassiv bilden Sie mit „sein“ und dem Partizip II: „Der Brief ist geschrieben.“ Im Perfekt heißt es „ist geschrieben worden“, nicht „geworden“.
Was ist der Unterschied zwischen Vorgangs- und Zustandspassiv?
Das Vorgangspassiv mit „werden“ beschreibt, dass etwas geschieht: „Die Tür wird geschlossen.“ Das Zustandspassiv mit „sein“ beschreibt das Ergebnis: „Die Tür ist geschlossen.“ Als Probe hilft „schon“ oder „seit“: Passt es, liegt meist ein Zustandspassiv vor.
Warum heißt es „Mir wurde geholfen“ und nicht „Ich wurde geholfen“?
Das Verb „helfen“ verlangt den Dativ. Im Passiv bleibt dieser Dativ erhalten, und es entsteht ein Satz ohne Subjekt. Ein Platzhalter-es kann am Anfang stehen, fällt aber weg, wenn ein anderes Satzglied vorn steht. Dasselbe gilt für danken, folgen und gratulieren.
Wann sollte ich das Passiv vermeiden?
Vermeiden Sie es, wenn der Handelnde wichtig ist oder mehrere Passivformen den Satz schwer lesbar machen. In Bewerbungen, Mails und Erklärtexten wirkt Aktiv direkter. Im Fachtext, in Anleitungen und Methodenbeschreibungen ist das Passiv dagegen ein gängiges und sachliches Mittel.
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