Groß- und Kleinschreibung im Deutschen: Regeln, Proben und Beispiele
Im Deutschen werden Substantive und Wörter, die als Substantiv gebraucht werden, großgeschrieben, dazu Satzanfänge, Eigennamen und die höfliche Anrede Sie. Ob ein Wort Substantiv ist, zeigt die Artikelprobe: Lässt sich ein Artikel oder eine Präposition mit Artikel davorsetzen (das Laufen, beim Lesen), schreibt man groß. Zweifelsfälle regelt das Amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung.
Die kurze Antwort
Im Deutschen schreibt man Substantive großgeschrieben, ebenso das erste Wort eines Satzes, Eigennamen und die höfliche Anrede „Sie“ samt „Ihr“ und „Ihnen“. Alles andere, also Verben, Adjektive, Adverbien und die meisten Pronomen, schreibt man klein. Die Schwierigkeit liegt bei Wörtern, die in einem Satz wie ein Substantiv gebraucht werden („das Laufen“, „etwas Neues“, „am Montagabend“). Dafür gibt es einfache Proben, die auf dieser Seite erklärt werden.
Maßgeblich ist das Amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung (Fassung 2024). Für die Schreibung einzelner Wörter ist der Duden die übliche Nachschlagequelle. In Österreich ergänzt das Österreichische Wörterbuch, in der Schweiz gelten dieselben Regeln, nur ohne „ß“.
Die Grundregeln im Überblick
| Was wird großgeschrieben? | Beispiel |
|---|---|
| Satzanfang und Anfang einer Überschrift | „Der Zug fährt ab.“ |
| Substantive | die Hausarbeit, der Termin, das Praktikum |
| Nominalisierte Verben | das Lesen, beim Schreiben |
| Nominalisierte Adjektive | das Gute, etwas Neues, im Allgemeinen |
| Eigennamen | Berlin, Angela, die Alpen, der Zweite Weltkrieg |
| Höfliche Anrede | Sie, Ihnen, Ihr Schreiben |
| Tageszeiten nach „heute“, „gestern“, „morgen“ | heute Abend, gestern Morgen |
| Wochentage mit Tageszeit, wenn Substantiv | am Montagabend |
Klein bleiben dagegen Verben, Adjektive (auch in festen Wortgruppen wie „der blaue Planet“), Adverbien wie „morgens“ und „montags“ sowie unbestimmte Pronomen wie „alle“, „einige“ und „viele“.
Substantive und die Artikelprobe
Ob ein Wort großzuschreiben ist, erkennen Sie meist an den Begleitern des Substantivs: Artikel (der, die, das, ein), Präposition mit Artikel (im, beim, zum, am), Possessivpronomen (mein, unser) oder ein Adjektiv davor.
Artikelprobe: Lässt sich ein Artikel oder eine Verschmelzung wie „beim“ oder „zum“ davorsetzen, ist das Wort ein Substantiv.
- „Sie lernt das Schreiben.“ (Artikel „das“, also Großschreibung)
- „Er hilft beim Umzug.“ („beim“ = „bei dem“)
- „Wir freuen uns auf das Wiedersehen.“
Eine zweite Hilfe ist die Adjektivprobe: Lässt sich ein Adjektiv einfügen („ein schnelles Lesen“), ist das Wort ein Substantiv. Eine dritte ist die Pluralprobe: Hat das Wort einen Plural („die Fragen“), schreibt man es groß.
Nominalisierungen: Verben und Adjektive als Substantive
Nominalisierung heißt: Ein Wort einer anderen Wortart steht an der Stelle eines Substantivs und wird deshalb großgeschrieben.
Nominalisierte Verben erkennen Sie am Artikel oder an der Verschmelzung mit einer Präposition:
| Klein (Verb) | Groß (Substantiv) |
|---|---|
| Wir wollen lesen. | Das Lesen fällt mir leicht. |
| Sie hat geweint. | Ihr Weinen war nicht zu überhören. |
| Er lernt kochen. | Beim Kochen hört er Radio. |
| Sie hört nicht auf zu reden. | Das Reden half nichts. |
Nominalisierte Adjektive stehen häufig nach Mengenwörtern wie „etwas“, „nichts“, „viel“, „wenig“, „alles“:
- „Ich wünsche Ihnen alles Gute.“
- „Das ist nichts Neues.“
- „Er erzählte viel Interessantes.“
- „Wir erwarten etwas Besseres.“
Auch Adjektive nach Präposition und Artikel schreibt man groß, wenn sie wie ein Substantiv gebraucht werden: „im Allgemeinen“, „im Folgenden“, „im Voraus“, „bis auf Weiteres“, „des Weiteren“, „im Großen und Ganzen“, „ohne Weiteres“. Diese Verbindungen sind fest und werden heute durchgehend so geschrieben.
Gegenprobe: Steht das Adjektiv vor einem Substantiv, das sich ergänzen lässt, bleibt es klein: „Das ist ein schönes Haus, aber das alte (Haus) gefällt mir besser.“
Besonders in Verwaltungs-, Bewerbungs- und Hochschultexten wirkt eine falsch kleingeschriebene Nominalisierung schnell nachlässig. Beispiel aus einer Bewerbung:
- Falsch: „Ich freue mich auf ein persönliches kennenlernen.“
- Richtig: „Ich freue mich auf ein persönliches Kennenlernen.“ (Das Adjektiv „persönliches“ davor verlangt ein Substantiv.)
Tageszeiten, Wochentage und Zeitangaben
Hier machen viele Schreibende Fehler. Die Regel ist aber klar:
- Nach Adverbien wie „heute“, „gestern“, „morgen“ schreibt man die Tageszeit groß: heute Morgen, gestern Abend, morgen Mittag, übermorgen Nachmittag.
- Adverbien auf -s schreibt man klein: morgens, mittags, abends, nachts, montags, sonntags.
- Wochentag plus Tageszeit schreibt man zusammen und klein, wenn es adverbial gemeint ist: montagabend, freitagnachmittag. Mit Präposition ist es ein Substantiv: „am Montagabend“, „am Freitagnachmittag“, „bis Sonntagmorgen“.
- Wochentage und Monate sind Substantive und stehen groß: der Montag, im November, am Dienstag.
| Falsch | Richtig |
|---|---|
| heute abend | heute Abend |
| gestern morgen (als Zeitpunkt) | gestern Morgen |
| Am Montag Abend | Am Montagabend |
| Abends gehe ich laufen. | Abends gehe ich laufen. (Klein, Adverb) |
| Ich arbeite am Abend. | Ich arbeite am Abend. (Groß, Substantiv) |
Bei ungefähren Zeitangaben gilt dasselbe: „gegen Abend“ schreibt man groß, „gegen 18 Uhr“ enthält nur die Uhrzahl.
Anredepronomen: Sie, Ihr, du, dein
Die höfliche Anrede „Sie“ wird immer großgeschrieben, ebenso „Ihr“, „Ihnen“ und „Ihre“: „Haben Sie meine Nachricht erhalten? Ich melde mich bei Ihnen am Donnerstag.“ Das gilt in Briefen, E-Mails und Formularen. Wie Sie die Anrede im Brief gestalten, erklärt der Ratgeber zur Anrede in Briefen und Mails; die Wahl zwischen den beiden Formen behandelt Du oder Sie schreiben.
Die vertrauliche Anrede „du“, „dein“, „dir“, „euch“ schreibt man klein. In Briefen, Karten und persönlichen E-Mails ist die Großschreibung („Du“, „Dein“) seit der Überarbeitung 2006 zusätzlich erlaubt, aber nicht vorgeschrieben. Entscheiden Sie sich in einem Text für eine Variante und bleiben Sie dabei. In Chats, in Social Media, in Fließtexten für Schule und Hochschule ist die Kleinschreibung üblich.
Eine häufige Verwechslung betrifft „sie“ und „Sie“: „Sie haben recht“ (Anrede) und „sie haben recht“ (die anderen) unterscheiden sich nur durch den Anfangsbuchstaben. Am Satzanfang hilft nur der Zusammenhang.
Eigennamen, Titel und geografische Namen
Eigennamen schreibt man groß, auch mehrteilige Namen mit einem Adjektiv. Bei Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv ist wichtig, ob es sich um einen Namen handelt:
| Eigenname (groß) | Allgemeine Bezeichnung (klein) |
|---|---|
| der Zweite Weltkrieg | der zweite Wurf |
| das Rote Kreuz | das rote Kreuz auf der Karte |
| der Heilige Abend | ein heiliger Ort |
| die Deutsche Bahn | die deutsche Sprache |
| der Schiefe Turm von Pisa | ein schiefer Turm |
| das Schwarze Meer | das schwarze Schaf der Familie |
Bei Titeln und Funktionen gelten die gleichen Grundsätze: „der Bundeskanzler“ ist ein Substantiv und steht groß, „Frau Dr. Meyer“ führt den Titel in der Anrede groß. Bei Himmelsrichtungen schreibt man groß, wenn sie Substantive sind („der Wind kommt aus Nordwest“, „im Süden Deutschlands“), und klein bei Adjektiven und Adverbien („nördlich der Alpen“, „südlich von Wien“).
Ableitungen von Personennamen auf „-sch“ schreibt man klein („die ohmschen Gesetze“), mit Apostroph groß („die Ohm’schen Gesetze“). Beides ist zulässig. Ableitungen von geografischen Namen auf „-er“ werden dagegen immer groß geschrieben: „das Münchner Oktoberfest“, „die Wiener Würstchen“, „der Berliner Flughafen“.
Sprachen und Farben sind ein häufiger Zweifelsfall:
- „Sie spricht Deutsch.“ (Sprachname, Antwort auf „Was?“)
- „Sie spricht deutsch mit uns.“ (Adjektiv, Antwort auf „Wie?“)
- „Das Buch ist auf Deutsch erschienen.“
- „Die Ampel zeigt Rot.“ / „Die Ampel ist rot.“ (Farbe als Substantiv oder Adjektiv)
Feste Verbindungen und Zweifelsfälle
Zusammengesetzte Wendungen sorgen oft für Unsicherheit. Die wichtigsten Regeln:
Substantiv plus Verb: Verbindungen wie „Auto fahren“, „Rad fahren“, „Rat suchen“ werden getrennt geschrieben, das Substantiv bleibt groß. Als Nominalisierung schreibt man zusammen: „das Autofahren“, „beim Radfahren“.
Paarformeln: „Jung und Alt“, „Arm und Reich“, „Groß und Klein“ sind nominalisiert und stehen groß: „Das Fest ist für Groß und Klein.“
Zahlwörter: „der Erste“, „ein Dritter“, „als Zweiter ins Ziel“ (Person) schreibt man groß. „Ich bin der erste, der kommt“ bleibt dagegen klein, wenn ein Substantiv ergänzt werden kann.
Superlative mit „am“: „am schönsten“, „am besten“ schreibt man klein, weil sie auf die Frage „Wie?“ antworten.
Pronomen: „alle“, „beide“, „einige“, „viele“, „wenige“, „andere“ schreibt man klein, auch wenn sie ohne Substantiv stehen: „Alle waren da, viele sind geblieben.“
Nach dem Doppelpunkt: Ein vollständiger Satz beginnt groß („Er sagte: Das Fest fällt aus.“), eine Aufzählung oder ein einzelnes Wort bleibt klein, wenn kein ganzer Satz folgt („Wir brauchen drei Dinge: Zeit, Geduld und Geld.“ Hier stehen die Substantive aber ohnehin groß).
Überschriften: In deutschen Texten schreibt man in Überschriften nur das erste Wort und die Substantive groß, nicht jedes Wort wie im Englischen: „Die wichtigsten Regeln für die Hausarbeit“, nicht „Die Wichtigsten Regeln Für Die Hausarbeit“.
Die großen Schreibungen: ß und ẞ
Der Großbuchstabe zum „ß“ ist das „ẞ“. Er wurde mit der Aufnahme in das Regelwerk 2017 amtlich vorgesehen, vor allem für Versalschreibung, etwa in Namen auf Dokumenten: „STRAẞE“. Üblich ist in Versalien auch „STRASSE“. In der Schweiz und in Liechtenstein schreibt man ohnehin immer „ss“. Zur Entwicklung der „ß/ss“-Regel lesen Sie auch den Beitrag zur Rechtschreibreform.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
- Englische Titelschreibung übernehmen. Im Deutschen wird nicht jedes Wort einer Überschrift großgeschrieben.
- Verben nach Artikel kleinschreiben. „Das lesen fällt mir schwer“ ist falsch, richtig ist „Das Lesen fällt mir schwer.“
- Tageszeiten verwechseln. „heute abend“ ist veraltet, richtig ist „heute Abend“.
- „Sie“ und „sie“ verwechseln. In E-Mails an Vorgesetzte, Behörden und Kunden gehört die Anrede groß.
- Alle Fremdwörter klein lassen. Fremdwörter, die Substantive sind, schreibt man groß: „das Feedback“, „der Workshop“, „die Deadline“.
- Namen von Institutionen falsch schreiben. „Rat für deutsche Rechtschreibung“ ist ein Name, „deutsche Rechtschreibung“ als Sachbegriff steht klein.
- Zusammensetzungen trennen. „Das Auto fahren“ und „das Autofahren“ unterscheiden sich in Bedeutung und Schreibung.
Checkliste vor der Abgabe
- Steht vor dem Wort ein Artikel, „beim“, „zum“ oder „im“? Dann groß.
- Folgt auf „etwas“, „nichts“, „viel“, „alles“ ein Adjektiv? Dann groß.
- Steht „heute“, „gestern“ oder „morgen“ vor der Tageszeit? Dann groß.
- Ist es die höfliche Anrede? „Sie“, „Ihnen“, „Ihr“ immer groß.
- Ist es ein Eigenname mit Adjektiv? Dann das Adjektiv groß.
- Steht ein Doppelpunkt vor einem ganzen Satz? Dann groß weiterschreiben.
- Haben Sie die Überschrift nach der deutschen, nicht nach der englischen Regel geschrieben?
Mit AdeptWrite prüfen
Die Rechtschreibprüfung markiert veraltete Schreibungen und Formfehler direkt im Browser, ohne dass Ihr Text hochgeladen wird. Sie arbeitet mit mechanischen Regeln und einer kuratierten Liste häufiger Fehlschreibungen (kein vollständiges Wörterbuch), orientiert sich am Rat für deutsche Rechtschreibung und am Duden und erkennt zum Beispiel Kleinschreibung am Satzanfang. Ob ein Verb im Satz als Substantiv gebraucht wird, hängt vom Satzzusammenhang ab. Solche Fälle lassen sich mit der KI-gestützten Grammatikprüfung im Zusammenhang oft besser einschätzen; jede Änderung wird markiert, und Sie entscheiden, ob Sie sie übernehmen. Prüfen Sie Vorschläge immer mit den Proben von oben nach. Einzelne Wörter schlagen Sie im Duden oder im DWDS nach. Weitere Stolpersteine finden Sie unter Häufig verwechselte Wörter und in den Komma-Regeln. Stand der Angaben: 2026-11-01.
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Häufig gestellte Fragen
Wann schreibt man Verben im Deutschen groß?
Wenn ein Verb wie ein Substantiv gebraucht wird, also nach einem Artikel, nach „beim“, „zum“, „im“ oder nach einem Adjektiv steht: „das Lesen“, „beim Kochen“, „ein lautes Lachen“. Die Artikelprobe zeigt es: Lässt sich ein Artikel davorsetzen, schreibt man das Wort groß.
Heißt es „heute Abend“ oder „heute abend“?
Richtig ist „heute Abend“. Nach „heute“, „gestern“ und „morgen“ ist die Tageszeit ein Substantiv und wird großgeschrieben. Die Adverbien auf -s sind dagegen klein: „abends“, „morgens“. Die Schreibung „heute abend“ galt nur bis zur Reform von 1996.
Schreibt man „du“ im Brief groß oder klein?
Beides ist erlaubt. Seit der Überarbeitung 2006 können „du“, „dein“ und „euch“ in Briefen großgeschrieben werden, die Kleinschreibung bleibt aber die Regel. Die höfliche Anrede „Sie“, „Ihnen“ und „Ihr“ schreibt man dagegen immer groß.
Warum schreibt man im Deutschen Substantive groß?
Die Großschreibung der Substantive hat sich im Deutschen im 16. bis 18. Jahrhundert herausgebildet und ist heute Teil des Amtlichen Regelwerks. Befürworter sehen darin eine Lesehilfe, weil Satzbausteine schneller erkennbar sind. Für die aktuelle Regel ist das Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung maßgeblich.
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